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Бахман Ингеборг

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Jetzt springt Rogoschin auf und wirft Myschkin, der gegen Ende der Erz"ahlung die unterste Sprosse erreicht hat, zu Boden. Es erklingt wieder die sehr zarte Musik. Verwandelt geht Rogoschin auf Myschkin zu, hebt ihn auf und h"alt ihn in den Armen. Sie tauschen ihre Kreuze.

Auf der leeren schwarzen B"uhne ist in ganz d"unnen, weissen Umrissen ein schlossartiges Haus aufgebaut. Durch das Haus ist eine gleichfalls weisse Ballettstange gezogen, an der Aglaja, in ein blendend weisses Tutu gekleidet, steht. Myschkin, der die Variation auf Puschkins Ballade vom armen Ritter auf der Vorderb"uhne mit dem Gesicht zum Publikum spricht, dreht sich zu Aglaja kein einziges Mal um, die jedes Mal, wenn der Text von der Musik — einem Ritornell — unterbrochen wird, an der Ballettstange ein kristallklares Ballettexercise vollbringt. Die Szene beginnt mit Musik.

B"urgschaft "ubernehm ich f"ur einen, der auf dieser Welt lebte vor langer Zeit und als sonderbar galt, einen Ritter, aber wie nenn ich ihn heute, da's kein Verdienst ist, in Armut und nicht auf Schl"ossern zu leben? Sorglos kleidete er sich in die Tage, bis einer um seine Schultern franste und ihm ein Licht auflud, in dessen Umkreis die Scham nicht geduldet war und der endliche Friede der Langmut. Die den Krieg verdammen, sind auserw"ahlt, zu k"ampfen in diesem Licht. Sie streuen das Korn auf die toten "Acker der Welt, sie liegen in den Feuerlinien einen Sommer lang, sie binden die Garben f"ur uns und fallen im Wind.

Aglaja wiederholt zum ersten Teil des Ritornells ihre Variation.

In der Zeit der Vorbereitung mied ich die St"adte und lebte gef"ahrlich, wie man es aus Liebe tut. Sp"ater geriet ich in eine Abendgesellschaft und erz"ahlte von einer Hinrichtung. So fehlte ich abermals. Meinen ersten Tod empfing ich aus der Hand eines Gewitters und ich dachte: so hell ist die Welt und so ausser sich, wo ich die Wiesen verdunkle, schaufelt der Wind Erde "uber ein Kreuz, lasst mich liegen mit dem Gesicht nach unten! Blaue Steine flogen nach mir und erweckten mich vom Tode. Sie r"uhrten von einem Sternengesicht, das zerbrach.

Aglaja wiederholt zum ersten Teil des Ritornells ihre Variation.

Und ausgestossen aus dem Orden der Ritter, verwiesen aus den Balladen, nehme ich einen Weg durch die Gegenwart, zu auf den Horizont, wo die zerrissenen Sonnen im Staub liegen, wo die Schattenspiele auf der unerh"orten Wand des Himmels zu Verwandlungen greifen und ihr einen Stoff einbilden aus dem alten Glauben meines Kindergebets. Wenn auch die Kr"anze entzwei sind, abgesprungen die Perlen, wenn der Kuss in die blauen Falten der Madonnen, abgeschmackt nach den Ekstasen so vieler N"achte, beim ersten Hauch das Licht in den Nischen l"oscht, trete ich aus dem schwarzen Blut der Ungl"aubigen in mein eignes und h"ore auf den Abgesang einer Geschichte, die unsre Opfer verachtet.

Aglaja wiederholt zum ersten Teil des Ritornells ihre Variation.

Mir will eine Schw"ache, der Wahnsinn willkommen ist, meinen Weg vertreten und mich der Freiheit entziehn. H"orig dem Sog, wich mein Fleisch fr"uh den Messern aus, die ich hob, um es aufzureissen. Mit dem Hauch, den es umklammert, will es hinab, mit meinem Atem, den ich zur"uckgeben werde zum Beweis, dass mein Mund nicht gefragt hat nach meinem Leben und den Bedingungen, unter denen wir fiir die Sch"opfung zu zeugen haben.

Mit dem zweiten Teil des Ritornells endet die Szene, und Aglaja erstarrt auf der Spitze, in der letzten ihrer Attit"uden.

Wir sehen eine Kurpromenade mit einem Orchestertempelchen im Hintergrund. Eine Gesellschaft von V"ogeln hat sich hier versammelt — gemeint ist die Petersburger Hautevolee. Wenn der Vorhang sich "offnet, h"alt der Dirigent der kleinen Kapelle den Taktstock hoch. Die Vogelgesellschaft steht regungslos. Jeder ist in seiner Pose erstarrt, so dass die Szene den Eindruck eines kolorierten Druckes macht. Im Vordergrund steht Myschkin, der sich sehr fremd in dieser Umgebung f"uhlt.

Die leicht fliegen, werde ich nicht beneiden, die Gesellschaft der V"ogel, die viele Orte ber"uhrt und noch im raschesten Flug voll "Uberdruss ist.

Myschkin geht ab. Der Dirigent des kleinen Orchesters bewegt seinen Taktstock zur Musik, und die erstarrte Vogelgesellschaft l"ost sich in eine «Kurpromenade» auf. Wenn die Musik endet, wenden sich alle dem Kapellmeister zu und applaudieren. Etwas vor Schluss des Tanzes treten Myschkin und Aglaja auf. Sie nehmen an dem Treiben teil und gehen dann zur Vorderb"uhne. Und Myschkin erkl"art sich Aglaja.

Wo ich hinkam, fand ich mich unter Steinen, wie sie ergraut und von Vertrauen befangen. Mir ist gewiss, dass auch dein Gesicht so alt herabfiel und sich neben mich legte unter den eisweissen Wasserfall, unter dem ich zuerst mein Bett aufschlug und unter dem ich in meinem Tode liegen werde, den Absturz der Reinheit vor Augen.

Myschkin und Aglaja gehen ab. Es wird Abend. Einige Lampions leuchten auf, die Kapelle h"ort zu spielen auf, die Gesellschaft findet sich paarweise zusammen und verl"asst die B"uhne. Blaue Versatzst"ucke kommen von oben, und die B"uhne wird von einem klaren Blau "uberstr"omt. Dann fliegt Aglaja herein, von weissen T"anzern gefolgt, und Myschkin erscheint ihr als Wunschbild in einem weissen Kost"um. Doch Nastassias Erscheinung tritt zwischen die Liebenden und trennt sie. Die blauen Versatzst"ucke werden weggehoben. Allein im n"achtlichen Garten sieht Aglaja sich ern"uchtert um und wirft sich weinend auf eine Bank. Myschkin, in realer Gestalt, kommt und kniet vor ihr nieder.

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