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Glucklicherweise hatte Emigdio seine Einkaufe bereits erledigt, als er erfuhr, dass die Tochter der Hausherrin, ein unbeschwertes, sorgloses, lachendes Madchen, fur ihn sterben wurde.
Charles gelang es, ihn davon zu uberzeugen, dass Micaelina bisher das Werben aller Gaste verschmaht hatte; aber der Teufel, der nicht schlaft, brachte Emigdio dazu, sein Kind und seine Geliebte eines Abends im Speisesaal zu uberraschen, als sie dachten, der Ungluckliche schlafe, denn es war zehn Uhr, die Stunde, in der er gewohnlich seinen dritten Schlaf hatte; eine Angewohnheit, die er damit rechtfertigte, dass er immer fruh aufstand, auch wenn er vor Kalte zitterte.
Als Emigdio sah, was er sah, und horte, was er horte, was er, wenn auch nur zu seinem und unserem Seelenfrieden, nicht gesehen und gehort hatte, dachte er nur daran, seinen Marsch zu beschleunigen.
Da er keine Beschwerden gegen mich hatte, vertraute er sich mir in der Nacht vor der Reise an und erzahlte mir neben vielen anderen Dingen, die ihn belasteten:
In Bogota gibt es keine Damen: das sind alles… siebenkopfige Flirts. Wenn sie es getan hat, was erwartest du dann? Ich habe sogar Angst, mich nicht von ihr zu verabschieden. Es gibt nichts Vergleichbares zu den Madchen in unserem Land; hier gibt es nichts als Gefahr. Du siehst Carlos: er ist ein Altar, er geht um elf Uhr nachts ins Bett und ist mehr denn je von sich eingenommen. Ich sage Don Chomo Bescheid, damit er die Asche auf ihn streuen kann. Ich bewundere es, dass du nur an dein Studium denkst.
Emigdio reiste also ab, und mit ihm das Vergnugen von Carlos und Micaelina.
Das war, kurz gesagt, der ehrenwerte und freundliche Freund, den ich besuchen wollte.
In der Erwartung, ihn aus dem Inneren des Hauses kommen zu sehen, wich ich nach hinten aus und horte, wie er mich anschrie, als er uber einen Zaun in den Innenhof sprang:
–Endlich, du Narr! Ich dachte, du hattest mich warten lassen. Setz dich hin, ich komme gleich. Und er begann, seine blutigen Hande im Graben des Hofes zu waschen.
–Was hast du gemacht?
– , fragte ich ihn nach unserer Begrussung.
–Da heute Schlachttag ist und mein Vater fruh aufgestanden ist, um auf die Koppeln zu gehen, habe ich die Schwarzen rationiert, was eine lastige Arbeit ist; aber jetzt habe ich nichts zu tun. Meine Mutter kann es kaum erwarten, Sie zu sehen; ich werde ihr sagen, dass Sie hier sind. Wer weiss, ob wir die Madchen dazu bringen konnen, herauszukommen, denn sie werden von Tag zu Tag verschlossener.
–Choto! rief er, und bald erschien ein halbnackter kleiner schwarzer Mann mit sussen Sultaninen und einem trockenen, vernarbten Arm.
–Bringt das Pferd zum Kanu und putzt das Fuchsfohlen fur mich.
Und als er mein Pferd bemerkte, wandte er sich mir zu und fugte hinzu:
–Carrizo mit dem Retinto!
–Wie konnte der Arm des Jungen so zusammenbrechen?
– , fragte ich.
–Sie sind so rau, sie sind so rau! Er ist nur gut, um die Pferde zu huten.
Bald wurde das Mittagessen serviert, wahrend ich mit Dona Andrea, der Mutter von Emigdio, die ihr Kopftuch fast ohne Fransen liess, eine Viertelstunde lang allein war und wir uns unterhielten.
Emigdio ging, um sich eine weisse Jacke anzuziehen und sich an den Tisch zu setzen; aber zuerst stellte er uns eine schwarze Frau vor, die mit einem Pastuzean-Umhang und einem Taschentuch geschmuckt war und ein wunderschon besticktes Handtuch an einem ihrer Arme trug.
Als Esszimmer diente uns der Speisesaal, dessen Einrichtung sich auf alte Sofas aus Kuhfell, einige Altarbilder mit Darstellungen von Heiligen aus Quito, die hoch oben an den nicht sehr weissen Wanden hingen, und zwei kleine, mit Obstschalen und Gipspapageien dekorierte Tische beschrankte.
Um die Wahrheit zu sagen, gab es kein grossartiges Mittagessen, aber Emigdios Mutter und Schwestern verstanden es, es zu arrangieren. Die mit frischen Krautern aus dem Garten gewurzte Tortillasuppe, die gebratenen Kochbananen, das geschredderte Fleisch und die Maismehlkrapfen, die ausgezeichnete lokale Schokolade, der Steinkase, das Milchbrot und das Wasser, das in grossen alten Silberkannen serviert wurde, liessen nichts zu wunschen ubrig.
Als wir zu Mittag assen, erhaschte ich einen Blick auf eines der Madchen, das durch eine halb geoffnete Tur spahte; und ihr niedliches kleines Gesicht, das von Augen erhellt wurde, die so schwarz wie Chambimbes waren, liess vermuten, dass das, was sie verbarg, sehr gut mit dem ubereinstimmen musste, was sie zeigte.
Um elf Uhr verabschiedete ich mich von Frau Andrea, denn wir hatten beschlossen, Don Ignacio auf den Koppeln zu besuchen, wo er ritt, und den Ausflug zu nutzen, um ein Bad in der Amaime zu nehmen.
Emigdio zog seine Jacke aus und ersetzte sie durch eine geflochtene Ruana; er zog seine Sockenstiefel aus, um abgenutzte Espadrilles anzuziehen; er schnallte sich eine weisse Strumpfhose aus haariger Ziegenhaut an; er setzte einen grossen Suaza-Hut mit weissem Perkalbezug auf und bestieg den Fuchs, wobei er ihm vorsichtshalber die Augen mit einem Taschentuch verband. Als das Fohlen sich zusammenrollte und den Schwanz zwischen den Beinen versteckte, rief der Reiter ihm zu: "Du kommst mit deinen Tricks!" und versetzte ihm sofort zwei kraftige Hiebe mit der Palmiran-Manatee, die er in der Hand hielt. Nach zwei oder drei Corcovos, die den Herrn in seinem Chocontana-Sattel nicht einmal zu bewegen vermochten, stieg ich auf und wir machten uns auf den Weg.